Wetterau und Vogelsberg

1839 wurde in Hessen die erste Eisenbahnstrecke von Frankfurt nach Höchst eröffnet. Jetzt war Frankfurt mit der Eisenbahn er- schlossen. 1848 baute man bereits die nordmainische Eisenbahnstrecke die Frankfurt mit Hanau verbindet. Diese Strecke konnte am 10. September 1848 von Frankfurt (Hanauer Bahnhof) nach Hanau eröffnet werden.In Hanau waren bereits Bestrebungen im Gange diese Eisenbahnstrecke durch Verlängerungen nach Südosten und Nordosten zu ergänzen. Auch eine Eisenbahnstrecke nach Norden gehörte zu diesen Bestrebungen dazu. diese Eisenbahnstrecke sollte eine Umgehungsbahn sein die Frankfurt umgehen sollte und die südliche Wetterau an das Eisenbahnnetz anschließen sollte.

Ausschnitt der Eisenbahnstreckenkarte zum amtlichen Kursbuch von 1946

Jetzt fehlte es an einer leistungsstarken Eisenbahnverbindung nach Norden. Diese Lücke sollte 1850 die Main-Weser Bahn schlie- ßen. Zu diesem Zwecke schlossen das Großherzogtum Hessen, Kurhessen und die freie Stadt Frankfurt einen Staatsvertrag der den Bau dieser Strecke, die von Frankfurt bis Kassel reichen sollte, ermöglichte. Bereits am 10. Mai 1850 wurde das erste, 34 km lange, Teilstück zwischen Frankfurt und Friedberg eröffnet. Diese Strecke durchschnitt die südliche und die westliche Wetterau. Erweitert wurde die Strecke dann von Friedberg nach Butzbach am 09. November 1850. Nach weiteren 6 Monaten konnte dann das Teilstück von Butzbach nach Langgöns am 09. Juni 1851 eröffnet werden, bedingt durch bauliche Hindernisse beim Bau dieser Strecke. Bereits am 15. Mai 1851 erreichte von Norden her die Eisenbahn Langgöns mit der Strecke von Gießen aus. In Gießen bestand ja seit 1850 Verbindung mit Kassel die auch in einigen Teilabschnitten eröffnet wurde (siehe Nordhessen Ost).

Also nun war Hanau und Frankfurt durch die Eisenbahn erschlossen worden. Doch die Strecken führten damals noch durch drei eigenständige Länder oder Städte. Auch eine Verbindung zwischen dem Hanauer Bahnhof in Frankfurt und den Westbahnhöfen gab es noch nicht. (bis 1914).

Daher baute man 1879 eine Umgehungsbahn von Frankfurt wie sie bereits 1850 geplant worden war. Sie sollte den Engpaß Frank- furt entlasten und direkte Zugläufe von Aschaffenburg nach Gießen ermöglichen. Ein weitere Vorteil dieser Strecke war das sie auf ihrer gesamten Länge nur im Großherzogtum Hessen verlief und es hierbei zu keinem Staatsvertrag mit anderen Landesteilen kom- men mußte. Am 01. Dezember 1879 erschloß diese Strecke dann die südöstliche Wetterau, die aber noch in Heldenbergen / Win- decken (heute Nidderau) endete. Ihren Anschluß bekam die Strecke erst am 15. September 1881 von Friedberg her. Nun war diese Umgehungsstrecke in ihrer vollen Länge befahrbar.

Nach einer Fotosonderfahrt rund um die Wetterau durchfährt VT 798,998,798 der Oberhessischen Eisenbahnfreunde den Bahnhof Butzbach. Stunden zuvor kreuzte der gleiche Triebzug in Beienheim einen weiteren Sonderzug mit dem Fahrtziel Breitenbach am Herzberg. So viele Sonderzüge wird der Bahnhof Beienheim gleichzeitig wohl nie mehr sehen.

In der Wetterau befanden sich aber noch weite Landesteile ohne Eisenbahn. Da hier der Abbau von Basalt stattfand und diese La- dungen per Pferdefuhrwerken zu den nächsten Bahnhöfen gebracht wurden. Doch waren später die Transporte so hoch das kein Pferdefuhrwerk den Ansturm standhalten konnte. so forderte man den Bau von einigen Nebenbahnen von den man sich eine Verein- fachung der Transporte erhoffte. So entstanden in der Wetterau die folgenden Nebenstrecken:

  • KBS 169c

3745

Bad Vilbel (Nord) - Heldenbergen / Windecken - Stockheim

30,70 km

Niddertalbahn

  • KBS 169d

3740

Friedberg (Hess.) - Beienheim - Hungen

24,40 km

Horlofftalbahn

  • KBS 169f

3741

Friedberg (Hess.) - Beienheim - Nidda

25,80 km

Horlofftalbahn

  • KBS 169h

3701

Gießen (OEG) - Hungen - Gelnhausen

69,70 km

Lahn - Kinzig Bahn

  • KBS 169n

BLE

Butzbach (Ost) - Oberkleen

8,10 km

Butzbach - Licher Eisenbahn

  • KBS 169n

BLE

Bad Nauheim (Nord) - Griedel - Butzbach (Ost)

11,00 km

Butzbach - Licher Eisenbahn

  • KBS 169m

BLE

Butzbach (West) - Lich (Süd) - Grünberg (Süd)

38,20 km

Butzbach - Licher Eisenbahn

Der Vogelsberg wurde damals also von den wichtigen Eisenbahnstrecken umgangen, da es noch nicht möglich war mit der Eisen- bahn große Höhen zu überwinden. Doch auch hier wurden große Mengen von Basalt gewonnen das noch umständlicher als in der Wetterau an die Hauptbahnen geschafft wurde. Auch hier wurden einige Bahnen bedingt durch diese Situation gebaut. Erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war es möglich diese Gegenden durch eine Anzahl von Nebenstrecken mit den Hauptstrecken zu verbinden:

  • KBS 169c

3745

Stockheim (Oberhess.) - Gedern - Lauterbach (Nord)

65,10 km

Vogelsbergbahn

  • KBS 169d

3740

Hungen - Villingen - Mücke (Oberhess.)

24,80 km

Vogelsberger Westbahn

  • KBS 169d

3742

Villingen - Ruppertsburg - (Friedrichshütte)

6,20 km

 

  • KBS 169f

3741

Nidda - Schotten

14,20 km

Niddatalbahn

KBS = Kursbuchstrecke (bezieht sich auf die Fahrplanperiode 1939) Streckennummern aus dem Eisenbahnatlas Deutschland 2005/2006

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