Südhessen

Friedrich List entwarf in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts nach Inbetriebnahme der ersten englischen Eisenbahnstrecke einen Plan zur Erschließung Deutschlands durch eine Eisenbahn. Hierbei sollte die Ost - Süd Magistrale durch Frankfurt am Main geführt werden wo ein großer Knotenpunkt der Eisenbahn entstehen sollte. Es bot sich nun an die beiden Oberzentren Rhein - Neckar und Rhein - Main mit der Eisenbahn zu verbinden, da man hier großen Verkehrszuwachs erwartete. Da auch Baden bereits an einer Verbindung von Heidelberg über Karlsruhe nach Basel baute war Baden nicht abgeneigt die Verlängerung nach Frankfurt mitzufinanzieren. Die badischen Staatsbahn verbanden am 12. September 1840 die beiden Städte Heidelberg und Mannheim mit- einander durch die Strecke Heidelberg - Friedrichsfeld - Mannheim. Daher kam es am 25. Februar 1843 zu einem Staatsvertrag zwischen Hessen, Baden und der Freien Stadt Frankfurt, der zum Ziel hatte eine Verbindung von Frankfurt nach Heidelberg zu bauen. Das erste Teilstück der Main - Neckar Eisenbahn konnte dann am 22. Juni 1846 zwische Langen und Heppenheim eröffnet werden. Ergänzt wurde die Main - Neckar Eisenbahn am 16. Juli 1846 durch die Strecke Frankfurt ( Mainspitzbahnhof ) - Langen und am 01. August 1846 durch die Strecke Heppenheim - Heidelberg. Da aber die badische Staatsbahn nicht in der heutigen gebräuchlichen Spurweite von 1435 mm baute, sondern in der Spurweite von 1600 mm gebaut hatte, mußte zwischen Friedrichs- feld und Heidelberg ein dreischienen Gleis gebaut werden. Erst mit Umspurung der badischen Staatseisenbahn wurde dieses Gleis überflüssig. Am 15. November 1848 erst erreichten die Züge der Main - Neckar Eisenbahn den neu gebauten Main - Neckar Bahn- hof in Frankfurt der sich südlich der heutigen Gallusanlage befand.

Ausschnitt der Eisenbahnstreckenkarte zum amtlichen Kursbuch von 1946

Am Rhein entlang wollte man die Städte Mainz und Mannheim miteinander verbinden. Die hessische Ludwigsbahn baute daher von Mainz aus eine Eisenbahnstrecke die über Worms und Frankenthal nach Mannheim geführt werden sollte. Das erste Teilstück der Rheinbahn wurde zwischen Mainz und Oppenheim am 23. März 1863 eröffnet. Ergänzt wurde die Strecke dann am 10. Juli 1863 bis Alsheim, am 07. August 1863 bis Osthofen, am 24. August 1863 wurde schließlich Worms erreicht.

Gleichzeitig erreichte vom Süden her die pfälzische Ludwigsbahn die hessische Landesgrenze bei Bobenheim / Roxheim, wohin die hessische Ludwigsbahn am 15. November 1863 den Anschluß an ihre Strecke herstellte.

1866 nahm man dann die Erweiterung von Ludwigshafen nach Mannheim in Angriff, doch zwischen den zwei Städten liegt der Rhein. Daher wurde die Strecke am 15. Februar 1867 an das Rheinufer herangeführt an dem später die Rheinquerung entstehen sollte Am 10. August 1867 wurde dann die Brücke über den Rhein fertiggestellt und die ersten Züge erreichten dann Mannheim.

Vom Westen her erschloß jetzt die hessische Ludwigsbahn den Raum um Darmstadt. Hier sollte eine Strecke von Mainz nach Aschaffenburg entstehen. Hierzu erteilte Hessen am 03. Januar 1856 die Konzession. Die Strecke von Mainz nach Darmstadt konnte dann am 01. Januar 1858 dem Verkehr übergeben werden. Erweitert wurde die Strecke erst nach Konzessionserteilung durch Bayern dann am 18. September 1858 durch das Teilstück Darmstadt - Dieburg - Aschaffenburg. In Aschaffenburg bestand ja schon Anschluß nach Würzburg.

Biblis 01

Ein Sonderzug bestehend aus 3 Triebwagen der Baureihe GTW 2/6 nach Neustadt (Weinstrasse ) erreicht den Bahnhof Biblis. Auf dem anderen Gleis steht abfahrtbereit die reguläre Regionalbahn nach Worms, der aus einer Einheit der Baureihe 425 gebildet ist. Da der Sonderzug die gleiche Strecke nach Worms fährt muß dieser Zug erst die Abfahrt des regulären Zuges abwarten ehe er über den Rhein weiter nach Worms fahren kann.

Eine neue Bahnstrecke sollte nun auch das Neckartal im äußersten Süden von Hessen erschließen. und weiter nach Stuttgart ge- führt werden. Zwecks dieses Vorhabens erließ Baden am 27. April 1867 ein Gesetz, das den Bau dieser Strecke regelte. Nach Fertigstellung wurde diese Strecke am 23. Oktober 1864 zwischen Heidelberg und Mosbach eröffnet. Diese Strecke verläuft zwi- schen Neckarsteinach und Igelsbach über hessisches Gebiet. Der Bahnhof Neckarsteinach ist der südlichste Bahnhof in Hessen. Dieser sollte noch im Laufe der Jahre zu großer Bedeutung kommen.

Nun fehlte es an einer direkten Eisenbahnverbindung von Mainz nach Frankfurt. Dazu war es nötig eine neue Eisenbahnstrecke von Bischofsheim nach Frankfurt (Main) zu bauen. Hierzu erteilte Hessen am 15. August 1861 die Konzession und am 17. August 1862 von der Freien Stadt Frankfurt zum Bau und Betrieb dieser Strecke. Am 03. Januar 1863 konnte dann die südmainische Ver- bindung eröffnet werden.

Die hessische Ludwigsbahn beabsichtigte Worms mit Darmstadt zu verbinden. Hierzu erteilte Hessen die Konzession für das Teil- stück Darmstadt - Gernsheim - Biblis am 20. Februar 1860. Erweitert wurde diese Konzession am 04. April 1864 bis zum alten Bahnhof Rosengarten wo ein Trajekt für die Züge nach Worms errichtet wurde. Eröffnet wurde diese Strecke am 01. Juni 1869. Nach Inbetriebnahme der Riedbahn nach Frankfurt wurde das Teilstück Darmstadt - Goddelau / Erfelden auf eine Hauptbahn re- gionaler Bedeutung herab gestuft. Sie verlor daraufhin ihren gesamten Fernverkehr, da dieser jetzt nicht mehr über Darmstadt ge- leitet werden mußte. Nach dem zweiten Weltkrieg nahm der Regionalverkehr merklich ab und 1972 verlor die Strecke ihren Reise- zugverkehr. Es verkehrten noch einige Güterzüge über diese Strecke. Doch auch nicht mehr lange. 1975 fuhr der letzte Übergabe- zug von Goddelau / Erfelden nach Darmstadt. Kurz danach begann der Abbau der Strecke von Goddelau / Erfelden nach Griesheim Von dieser einst so wichtigen Strecke existiert heute nur noch ein Anschlußgleis von Darmstadt nach Griesheim. Wie lange wird es dieses Teilstück wohl noch geben?

Da jetzt Heidelberg mit Frankfurt verbunden war, wollte auch Mannheim eine direkte Verbindung mit Frankfurt. hierzu mußte eine Eisenbahnstrecke von Mannheim über Biblis und Gernsheim nach Frankfurt gebaut werden. Da das Teilstück Biblis - Goddelau / Erfelden bereits eröffnet war mußten nur zwei neue Teilstücke gebaut werde. Nach Konzessionserteilung wurde das erste Teilstück von Biblis nach Mannheim / Waldhof, sowie zwischen Lampertheim und Mannheim / Neckarstadt am 15. Oktober 1879 eröffnet. Erst am 24. November 1879 wurde die Strecke zwischen Goddelau / Erfelden und Frankfurt (Sportfeld heute Stadion) eröffnet. Den- noch fehlte es an einer Einführung der Riedbahnzüge in den Mannheimer Hbf. Diese Strecke konnte am 01. Mai 1880 fertiggestellt werden.

Südhessen war nun mit 430 km Hauptstrecken erschlossen Es klafften aber noch große Lücken im Eisenbahnnetz. Abseits dieser Hauptstrecken gab es keinen Anschluß an die Eisenbahn. Diese Landesteile wurden durch die folgenden Nebenbahnen mit den Hauptstrecken verknüpft:

  • KBS 254b

3575

Weinheim - Lampertheim - Worms

30,80 km

 

  • KBS 254b

4104

Weinheim - Mörlenbach - Fürth (Odw.)

16,40 km

Weschnitztalbahn

  • KBS 254b

3579

Mörlenbach - Wald Michelbach - Wahlen (Odw.)

16,00 km

Überwaldbahn

  • KBS 254c

3571

Bensheim - Lorsch - Worms

23,80 km

Nibelungenbahn

  • KBS 254d

3577

Heppenheim - Lorsch

6,90 km

 

3661

Offenbach - Dieburg - Reinheim (Odw.)

39,70 km

Rodgaubahn

3662

Offenbach - Dietzenbach

13,80 km

 

4113

Hanau - Wiebelsbach / Heubach - Eberbach

88,10 km

Odenwaldbahn

3554

Darmstadt (Nord) - Wiebelsbach / Heubach

28,20 km

Odenwaldbahn

3555

Darmstadt (Ost) - Groß Zimmern

13,20 km

 

3544

Bickenbach - Seeheim

4,40 km

 

3543

Darmstadt (Eberstadt) - Pfungstadt

1,90 km

 

3653

Buchschlag - Ober Roden

15,00 km

Dreieichbahn

  • KBS 256g

SEG

Reinheim (Odw.) - Reichelsheim (Odw.)

17,90 km

Reinheim - Reichelsheimer Kleinbahn

  • KBS 256h

SEG

Hetzbach - Beefelden

5,10 km

Hetzbach - Beerfelder Kleinbahn

4112

Neckarsteinach - Schönau

5,00 km

Steinachtalbahn

  • KBS 416d

5222

Höchst (Odw.) - Aschaffenburg (Süd)

29,80 km

Bayrische Odenwaldbahn

KBS = Kursbuchstrecke (bezieht sich auf die Fahrplanperiode 1939) Streckennummern aus dem Eisenbahnatlas Deutschland 2005/2006

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