Spessart und Rhön

Hanau erhielt 1848 bereits den Anschluß an das Eisenbahnnetz. Es wurden jetzt weitere Strecken ausgehend von Hanau geplant. Eine davon ist die Strecke von Hanau über Gelnhausen nach Fulda. auch im Norden erhielt Bebra bereits am 25. September 1848 Anschluß an die Eisenbahn durch die Strecke Gerstungen - Bebra der Friedrch Wilhelms Nordbahn, die später auch hessische Nordbahn genannt wurde. (siehe auch Nordhessen Ost). Ergänzt wurde diese Strecke durch das Teilstück Gerstungen - Wartha - Eisenach der thüringschen Eisenbahn. Man hatte nun eine direkte Verbindung von Bebra nach Eisenach geschaffen. Da hier bei Herleshausen, Wommen und Wartha die thüringsche Grenze verläuft, die später zum Hindernis des Eisenbahnverkehrs wurde. Von Hanau her gab es Pläne eine Eisenbahnstrecke nach Fulda und später weiter nach Bebra zu bauen. Erst 1866 wurde mit dem Bau dieser Strecke begonnen. Von Bebra her konnte am 22. Januar 1866 bereits das erste Teilstück nach Bad Hersfeld eröffnet werden. Dieses Teilstück wurde am 01. Oktober 1866 bis Fulda ergänzt. Von Süden her konnte am 01. Mai 1867 das erste Teil- stück von Hanau über Gelnhausen nach Wächtersbach eröffnet werden. Erweitert wurde dieses Teilstück dann am 01. Juli 1868 nach Steinau (Straße) und von Fulda aus nach Neuhof. Dann am 15. Dezember 1868 konnte dann die Lücke zwischen Neuhof und Wächtersbach geschlossen werden. Die Strecke hatte aber einen seltsamen Verlauf. Anstatt ein direkte Strecke von Neuhof nach Wächtersbach zu bauen, führte man die Strek- ke über den Bahnhof Elm da bereits Bestrebungen im Gange waren Fulda mit Gemünden und Würzburg zu verbinden. Erst jetzt war Hanau mit Fulda und weiter mit Bebra verbunden.

Ausschnitt der Eisenbahnstreckenkarte zum amtlichen Kursbuch von 1946

Hünfeld 06

Anläßlich des Damploktreffens in Bebra wurden zahlreiche Sonderzüge zum Bahnhof Bebra gefahren, darunter ein Sonderzug aus Frankfurt durch die Historische Eisenbahn Frankfurt und ein Sonderzug aus Hersbruck für die IGE Bahntouristik. Diese beiden Sonderzüge wurden in Fulda vereinigt und fuhren dann mit gemeinsamer Kraft weiter nach Bebra. Hier dampft gerade dieser 15 Wagenzug führend von der Dampflok 01 118, in Hünfeld ein.

Durch das preußische Gesetz vom 17. Februar 1868 wurde der Bau der Strecke von Elm nach Gemünden geregelt. Dazu kam es mit Bayern zu einem Staatsvertrag der den Bau auf bayrischer Seite regelte. Das bayrische Streckenteilstück erreichte am 01. Mai 1872 bereits Jossa von Gemünden her. Erst am 06. Mai 1872 konnte auch der preußische Streckenteil von Jossa nach Elm eröffnet werden.

Einen Nachteil hatte die Streckenführung der Strecke Hanau - Fulda über Elm. Da alle durchgehenden Züge in Elm die Fahrt- richtung wechseln mußten und dies eine zeitraubende Arbeit war kam es erst 1913 zum Bau, des bei Schlüchtern beginnenden, Distelrasentunnels. Auch die Verkehrsbelastungen auf der Strecke stiegen und der Bahnhof Elm vollkommen überlastet war, mußte dieser Engpaß endlich beseitigt werden. Der Distelrasentunnel wurde am 01. Mai 1914 fertiggestellt und dem Eisenbahn- verkehr übergeben, was eine Entlastung des Bahnhofs Elm mit sich brachte. Gleichzeitig fielen viele Züge auf der Strecke Schlüchtern - Elm weg. Daher konnte mit dem Rückbau begonnen werden. 1915 wurde dann das zweite Gleis abgebaut. Einige Regionalbahnen benutzten noch diese Streckenkurve bis zum Sommerfahrplan 1966. Zu diesem Zeitpunkt fielen auch die letzten fahrplanmäßigen Züge über diese Strecke weg. im Jahre 2005 erfolgte in dieser Richtung eine Änderung im Personenverkehr. Die Regionalbahnen von Gemünden nach Fulda wurden wieder über die Elmer Kurve geleitet um jetzt in Schlüchtern einen Anschluß mit der Regionalexpresszügen in Richtung Frankfurt herzustellen. 2007 begannen im Bereich des Distelrasentunnels umfang- reiche Modernisierungsarbeiten. Zukünftig wird der Fernverkehr und der Regionalverkehr durch zwei getrennten Tunnelröhren geführt werden, was die Wartungsarbeiten im Tunnel vereinfachen wird.

Schlüchtern 01

Am 26.Juni 2004 erreichte ein von 2 Triebzügen der Baureihe GTW 2/6 der BLE ( Butzbach - Licher Eisenbahn ) geführter Sonderzug den Bahnhof Schlüchtern. Gleich wird er die stillgelgte Elmer Kurve befahren. Da das Streckenteil erst ca. 2 km hinter Schlüchtern beginnt muß der Zug zwei vorrangige ICE Züge passieren lassen ehe er weiterfahren kann.

1939 brach der zweite Weltkrieg aus. 1945 besetzten die amerikanischen Alliierten das Gebiet um die Flüsse Fulda und Werra. Nach dem Vertrag der Alliierten sollte Deutschland in 4 Besatzungszonen aufgeteilt werden. Die amerikanische Besatzungszone reichte bis an die östliche hessische Landesgrenze und die sowjetische Besatzungszone reichte ihrerseits dann bis zur westlichen thüringschen Landesgrenze. Da einige Eisenbahnstrecken diese Grenzen teils mehrfach schnitten kam es zu Gebietsaustausch damit die lebenswichtige Nord - Süd Strecke von Hamburg über Göttingen und Eichenberg nach Frankfurt nicht eingestellt werden mußte. (Die Grenze lief genau in der Werra, die bei Oberrieden mittels einer großen Eisenbahnbrücke überquert wurde). Diese Strecke konnte gerettet werden. Anders sah es bei der Strecke Bebra - Eisenach aus. Da auch hier mehrfach die Grenze zwischen Thüringen und Hessen gekreuzt wurde kam es hier nicht zu Gebiets- austausch. Besonders betroffen war das Teilstück von Höne- bach nach Eisenach (West). Hier wurde zwischen Hönebach und Wommen sowjetisches Besatzungsgebiet überquert. Zwischen Herleshausen und Wartha lief die Strecke wieder auf hessischen Boden. Um den hessischen Streckenabschnitt zwischen Ger- stungen - Wartha - Eisenach zu umgehen baute die deutsche Reichsbahn 1962 eine Umgehungsstrecke die von Gerstungen nach Förtha an der Werratalbahn führte. Damit wurde der Streckenabschnitt über Hessen überflüssig und er wurde nur noch von einigen wenigen Korridorzügen benutzt die zwischen Obersuhl und Herleshausen überall durchfuhren. 1963 schloß sich dann der eiserne Vorhang für immer. Für immer? Die letzten Korridorzüge verließen Wartha zum Fahrplanwechsel Sommer 1963. Die Strecke wurde dann von Wartha nach Eisenach bis auf einem 3 km langen Teilstück von Osten her zurückgebaut.

Sterbfritz 01

Nachdem der Zug die Elmer Kurve befahren hat traf er hier in Sterbfritz im Spessart ein. Hier wendete der Zug um weiter nach Fulda fahren zu können. Doch zuvor kamen die Fotgrafen noch mal auf ihre Kosten. Denn wann verirrt sich denn mal wieder ein Zug der BLE bis hier her?

1989 kam es entgegen der Meinung der Regierung der DDR zur Wiedervereinigung Deutschlands. Das hatte auch Auswirkungen auf den Bahnverkehr zwischen den ehemals zwei Staaten.1990 befuhr die deutsche Reichsbahn (Ost) den Streckenabschnitt von Gerstungen nach Wartha. um festzustellen ob sich ein Wiederaufbau dieser Strecke lohnt. Noch im gleichen Jahr begann man mit den Sanierungsarbeiten, die eher einem Neubau der Strecke gleichkommt. Schon am 30. September 1990 konnte die DB den ehe- mals gesperrten Bahnhof Gerstungen anfahren. Danach wurde die Umleitungsstrecke über Förtha nur noch fallweise benutzt. Zum Fahrplanwechsel Sommer 1991 befuhr der erste Personenzug die neue Strecke von Gerstungen über Wartha nach Eisenach. Zum gleichen Zeitpunkt stellte man die steigungsreiche Strecke über Förtha ein. Am 31. Dezember 1993 fuhr der letzte Güterzug. In- zwischen ist diese Strecke zurückgebaut.

Da der Spessart im Südosten Hessens liegt blieb dieser Landesteil von der Teilung Deutschlands weitgehend unverschont. Das war aber in der Rhön anders. Da die Rhön von der innerdeutschen Grenze durchschnitten wurde kam es hier zu einigen Streckenteilun- gen die schließlich zur Stilllegung der einzelnen Strecken auf dem westlichen sowie auf dem östlichen Gebiet führte. Den Neben- bahnen im Spessart, die hier nach der 19. Jahrhundertwende entstanden kam noch eine andere Bedeutung zu als die Erschließung der Ortschaften und Gemeinden jenseits der Haupstrecken zu. Sie mußten große Mengen von Gütern transportieren, hervorge- hoben werden soll die Basaltabfuhr aus den Stollen im Spessart um Bieber. Daher kam es zum Bau der folgenden Nebenstrecken im Spessart:

  • KBS 169q

GL

Gelnhausen (KB) - Bieber - Lochborn (Spessart)

23,00 km

Spessartbahn

  • KBS 169r

FK

Gelnhausen (KB) - Neuses - Langenselbold

20,00 km

Freigerichter Kleinbahn

  • KBS 169s

VSB

Wächtersbach (KB) - Birstein - Hartmannshain (KB)

31,60 km

Vogelsberger Südbahn

  • KBS 169t

WOB

Wächterbach - Bad Orb

6,50 km

Orber Kleinbahn

  • KBS 209H*

HK

Hanau / Nord - Rückingen (Weiche) - Langenselbold (H. Kr.B.)

10,20 km

Hanauer Kreisbahn

  • KBS 209H*

HK

Hanau / Nord (H.Kr.B.) - Rückingen (Weiche) - Hüttengesäß

13,10 km

Hanauer Kreisbahn

KBS = Kursbuchstrecke (bezieht sich auf die Fahrplanperiode 1939) KBS* = aus dem Reichskursbuch Nr.2 1917 Streckennummern aus dem Eisenbahnatlas Deutschland 2005/2006

Ausschnitt der Eisenbahnstreckenkarte zum amtlichen Kursbuch von 1946

Quer durch die Rhön verlief die innerdeutsche Grenze. Die hier entstandenen Nebenbahnen wurden von dieser Grenze teils mehr - fach durchschnitten, es kam sogar zu einem Inselbetrieb der DB (siehe Strecke Gerstungen - Vacha - Bad Salzungen). Eine Folge der innerdeutschen Grenze war die Einstellung im Personenverkehr. Einige Streckenstümpfe reichten bis kurz vor die Grenze, sodaß mit einem kurzen oder etwas längerem Fußweg die Passage der Grenze möglich war. Nach Befestigung der Grenzanlagen fiel auch diese kleine Grenzverkehr weg, da die DDR ihre Werktätigen schützen wollte. Die Folge waren die Schließung aller Grenzübergangstellen außer der Grenzkontrollstelle Herleshausen, die von Transitreisenden nach Berlin genutzt wurde. Sie lag dort wo sich heute sich die Autobahntanktelle Herleshausen befindet. Rechts und Links erstreckte sich parallel zur Autobahn der Sicherheitszaun auf einer Länge von fast 5 km. Im Eisenbahnverkehr wurde Bebra zum Grenzbahnhof für die Transitzüge nach Berlin. Für die Transitzüge war der östliche Teil des Bahnhofs vorgesehen. Hier fanden auch die Lokwechsel der DB und der DR statt. Die Regionalbahnen von Bebra endeten kurz vor der Grenze in Obersuhl. Die verbliebenen Nebenstrecken wurden entweder in die nächst größere Gemeinde zurückgezogen oder verschwanden ganz. Westlich und Östlich der in Hessen verlaufenden innerdeutschen Grenze entstanden Nebenbahnen deren Ziel es war den Kalistreifen im Werragebiet zu erschließen. Die anderen Strecken hatten nur im Personenverkehr größere Bedeutungen:

  • KBS 171e

3824

Fulda (Hbf) - Bronzell - Gersfeld

28,50 km

 

  • KBS 171f

HEG

Bad Hersfeld (Nord) - Heimboldshausen

26,00 km

Hersfelder Kreisbahn

  • KBS 171h

6707

Gerstungen - Vacha (Werra) - Bad Salzungen

41,10 km

Werratalbahn

  • KBS 171k

3815

Hilders (Rhön) - Wenigentaft / Mansbach - Vacha (Werra)

39,50 km

Ulstertalbahn

  • KBS 171k

3813

Hünfeld - Wenigentaft / Mansbach

26,80 km

 

  • KBS 171n

WO

Wenigentaft / Mansbach (Ost) - Oechsen

10,10 km

Wenigentaft - Oechener Kleinbahn

  • KBS 171q

3820

Fulda (Hbf) - Hilders (Rhön) - Wüstensachsen

39,90 km

Rhönbahn

KBS = Kursbuchstrecke (bezieht sich auf die Fahrplanperiode 1939) KBS* = aus dem Reichskursbuch Nr.2 1917 Streckennummern aus dem Eisenbahnatlas Deutschland 2005/2006

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