Mittelhessen West

Am 18. April 1855 erließ Preußen ein Gesetz zum Bau einer Eisenbahnstrecke die den nördlichen Westerwald besser erschließen sollte. Die Strecke sollte auch die großen Städte Köln und Frankfurt besser mitander verbinden. Sie sollte von Deutz nach Gießen geführt werden. Das erste Teilstücke dieser Strecke, welches von Deutz nach Hennef an der Sieg reichte wurde bereits am 01. Ja- nuar 1859 durch die Köln - Mindener Eisenbahn eröffnet. Erst am 03. Oktober 1859 konnte diese Strecke in die Rheinquerung und die Einführung der Strecke in den Kölner Hauptbahnhof eröffnet werden. Nur 12 Tage später eröffnete man am 15. September 1859 auf der anderen Seite das Teilstück von Hennef nach Eidorf. Erst am 01. August 1860 wurde das Teil- stück von Eidorf bis Wissen eröffnet. Ergänzt wurde die Strecke am 10. Januar 1961 bis Betzdorf im Westerwald. Hier entstand eine Zweigstrecke nach Siegen, die später mit der Bergisch - Märkischen Eisenbahn aus Hagen verknüpft wurde. Am 01. Juli 1861 eröffnete wiederum die Köln - Minder Eisenbahn das Teilstück von Betzdorf nach Burbach. Zu diesem Zeitpunkt war be- reits die Dillstrecke im Bau. Diese Ver- bindung konnte am 12. Januar 1862 Burbach mit Gießen verbinden. Nun war der Westerwald und das Dilltal mit der Eisenbahn erschlossen worden. Gießen hatte ja bereits seit 1850 durch die Main - Weser Bahn Anschluß an die Eisenbahn bekommen.

Ausschnitt der Eisenbahnstreckenkarte zum amtlichen Kursbuch von 1946

Nachdem die nassauische Staatsbahn mit ihrer Strecke Oberlahnstein und Koblenz erreichte kam es zur Planung einer weiteren Strecke die von Koblenz über Niederlahnstein nach Wetzlar führen sollte. Durch die nassauische Konzession vom 04. September 1856 konnte endlich mit dem Bau dieser Strecke bgonnen werden. Das erste, 13 km lange, Teilstück wurde am 01. Juli 1858 zwi- schen Oberlahnstein und Bad Ems eröffnet. Erst am 09. Juli 1860 konnte diese Strecke bis Nassau ergänzt werden. Am 05. Juli 1862 erreichte die Eisenbahn dann die Domstadt Limburg. Noch im gleichen Jahr wurde die Strecke am 14. Oktober 1862 bis Weil- burg ergänzt. Erst am 10. Januar 1863 konnte die Strecke in ihrer ganzen Länge eröffnet werden. Die nassauische Staatsbahn hatte Wetzlar erreicht, wo durch die Köln - Mindener Eisenbahn bereits Anschluß nach Gießen bestand.

Limburg 01

Im Bahnhof Limburg steht ein Sonderzug der gerade die Unterwesterwaldbahn befahren hat, die jetzt wieder für den Güterverkehr von Altenkirchen bis Selters in Betrieb gegangen ist. Dieser Zug wird in wenigen Minuten über die Lahntalbahn weiter nach Gießen fahren.

Auch von Hagen aus baute man zu jener Zeit viele Eisenbahnstrecken. Eine davon sollte das Sauerland und das Rothaargebirge besser erschließen. Das erste Teilstück der Ruhr - Sieg Bahn, wie die Strecke heute bezeichnet wird, wurde am 21. März 1859 zwischen Hagen und Letmathe eröffnet. Erweitert wurde die Strecke dann von Letmathe aus am 16. Juli 1860 bis Altena und am 06. August 1861 bis nach Siegen. Hier bestand ja schon Anschluß nach Köln durch die Köln - Mindener Eisenbahn. Damals mussten direkte Züge aus dem Ruhrgebiet nach Frankfurt den Umweg über Betzdorf fahren. Auch wurde in Betzdorf ein Lokwechsel not wendig. Es kam zu unnötigen Fahrzeitverlängerungen durch diese betriebsbedingten Aktionen. Erst am 01. Dezember 1915 verband die Bergisch - Märkische Bahn, die jetzt in die preußische Staatsbahn aufgegangen war, Siegen mit Haiger über Dillbrecht.

Ein großes unerschlossenes Gebiet klaffte nun im Westerwald und im Siegtal. Genauso unerschlossen war das Kannenbäcker- land zwischen dem Rhein und den Höhen des Westerwaldes. Da im Westerwald viel Basalt und Schotter gefördert wurde war eine Erschließung dieses Landesteiles unumgänglich. Hier entstanden eine Vielzahl von Nebenbahnen die durch ihre baulichen Beson- derheiten Eisenbahngeschichte schrieben. Selbst im Jahr 2002 erhielt dieser Landesteil sogar Anschluß an die Schnellfahrstrecke von Frankfurt nach Köln. Hierzu wurde der Bahnhof Montabaur komplett aus der Stadt an die Schnellbahn verlegt. Der alte, an der Strecke von Limburg nach Altenkirchen führenden Nebenbahn befindliche, Bahnhof wurde zu diesem Zeitpunkt eingestellt. Heute berühren die Personenzüge von und nach Siershahn den Bahnhof um eine bessere Verbindung mit dem ICE zu gewährleisten.

Im letzten Jahrhundert entstanden nun zwischen Rhein, Lahn, Sieg und Dill einige bemerkenswerten Nebenstrecken, die auch im Güterverkehr beträchtliche Leistungen aufwiesen. Zur Erschließung der Ortschaften und Landstriche abseits der Hauptbahnen dienten folgende Nebenstrecken:

  • KBS 166a

3720

Dillenburg - Ewersbach

15,90 km

Dietzholztalbahn

  • KBS 166a

3721

Dillenburg - Wallau (Lahn)

37,20 km

Scheldetalbahn

  • KBS 166b

3953

Herborn (Dillkr.) - Niederwalgern

43,00 km

Aar - Salzböde Bahn

  • KBS 166c

3706

Lollar - Wetzlar

18,10 km

Kanonenbahn

  • KBS 166d

3711

Stockhausen (Lahn) - Beilstein

15,10 km

Ulmbachtalbahn

  • KBS 166e

3723

Haiger - Breitscheid

12,40 km

Aubachtalbahn

  • KBS 166f

3730

Limburg (Lahn) - Westerburg - Altenkirchen (Westerwald)

65,10 km

Oberwesterwaldbahn

  • KBS 166g

3747

Herborn (Dillkr.) - Westerburg

48,30 km

Westerwaldquerbahn

  • KBS 166h

3732

Fehl / Ritzhausen - Nistertal / Erbach

12,00 km

 

  • KBS 166k

3747

Westerburg - Montabaur

26,00 km

 

  • KBS 166m

3033

Linz (Rhein) - Flammersfeld

43,40 km

Wiedtalbahn

  • KBS 166q

3731

Limburg (Lahn) - Montabaur - Siershahn

74.50 km

Unterwesterwaldbahn

  • KBS 166r

3034

Grenzau - Hillscheid (Westerwald)

6,60 km

 

  • KBS 166s

3032

Altenkirchen (Westerwald) - Au (Sieg)

13,00 km

 

  • KBS 166t

3032

Engers (Rhein) - Siershahn - Altenkirchen (Westerwald)

21,60 km

Kannebäckerbahn

  • KBS 169p

GB

Gießen - Bieber

8,80 km

Biebertalbahn

  • KBS 189i

KB

Dehrn - Kerkerbach (Lahn) - Mengerskirchen

35,10 km

Kerkerbachbahn

KBS = Kursbuchstrecke (bezieht sich auf die Fahrplanperiode 1939) Streckenummern aus dem Eisenbahnatlas Deutschland 2005/2006

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