Strecke Höchst (Odw.) - Aschaffenburg

KBS 255a (5222)

Bachgaubahn

Streckenart:

Höchst (Odw.) - Aschaffenburg / Süd

Nebenstrecke eingleisig

Spurweite:

1435 mm

Streckenlänge ohne Nebengleise:

29,80 km

Eröffnung im Personenverkehr:

Aschaffenburg / Süd - Großostheim

01. Mai 1911

Bayrische Staatseisenbahn

 

Großostheim - Höchst (Odw.)

01. Dezember 1912

 

Einstellung im Personenverkehr:

Aschaffenburg / Süd - Höchst (Odw.)

26. Mai 1974

Deutsche Bundesbahn

Zuständige Bahnverwaltung:

Aschaffenburg / Süd - Höchst (Odw.)

(R) BD Würzburg

Betriebsamt Aschaffenburg

Bauliche Besonderheiten:

Große Talbrücke bei Höchst (Odw.)

Streckenzustand:

Aschaffenburg - Schönbusch / Nilkheim

Die Strecke ist noch vollständig vorhanden und dient der Aschaffenburger Hafenbahn als Zubringerstrecke

Schönbusch / Nilkheim - Sandbach

Diese Strecke ist komplett abgebaut. In Mömlingen und Hainstadt ist die Trasse nur sehr schwer auszumachen da diese mit Neubaugebieten überbaut wurde. Großostheim bis Mömlingen ist die Trasse als Radweg ausgebaut

Sandbach - Höchst (Odw)

Dieses Streckenteil ist noch vorhanden, wird aber nicht mehr befahren und die Gleise ligen nur noch unnützig in der Gegend herum und wachsen langsam zu. Das Höchster Viadukt ist noch in einem guten Zustand da hierunter die Bundesstrasse B 45 verläuft.

Betriebsführung:

Aschaffenburg - Höchst (Odw.)

Deutsche Bundesbahn

Geschichtliche Entwicklung:

1850 erhielt Aschaffenburg seinen ersten Bahnanschluß durch die Strecke von Hanau nach Würzburg. 1867 begann man mit der Planung eines umfangreichen Odenwaldstreckennetzes. Es sollten hierzu Strecken gebaut werden, die von Worms über Miltenberg nach Würzburg (eine Odenwaldquerbahn) und von Aschaffenburg über Miltenberg nach Seckach (eine Nord - Süd Strecke) führten. Auf hessischer Seite plante man zu jener Zeit auch ein umfangreiches Odenwaldnetz. Zu diesem Netz gehörte auch die geplante Strecke von Babenhausen nach Eberbach, die auch, wenn auch mit planerischen Abweichungen, so umgesetzt wurde. Auf bayrischer Seite konnte die Strecke von Aschaffenburg nach Miltenberg fertigestellt und befahren werden. An dieser Strecke lag der Bahnhof Obernburg / Elsenfeld. Hier war geplant eine Nebenbahn abzweigen zu lassen die Obernburg über Mömling mit Höchst, einem Bahnhof an der Strecke von Babenhausen nach Eberbach, verbinden sollte. Nach einigen Planungsänderungen, erst war Obernburg als Ausgangspunkt im Gespräch , dann Wörth am Main. Zum Schluß legte man als Ausgangspunkt dieser Strecke den Bahnhof Aschaffenburg fest. Jetzt stritt man sich noch um die Streckenführung. Der erste Plan sah eine rechtsmainische Streckenführung von Aschaffenburg über Mömlingen und Neustadt nach Obernburg vor. Diese Streckenführung wurde auch von Neustadt unterstützt da der Ort dadurch einen eigenen Bahnhof erhalten hätte. Man begann mit den Verhandlungen zum Bau der Strecke. Doch im Laufe dieser Verhandlungen stellte sich heraus das Obernburg als Endpunkt der Strecke nicht glücklich war. Daher einigte man sich auf Höchst. Dazu musste aber mit dem Großherzogtum Hessen ein Staatsvertrag geschlossen werden, der den Bau regelte. Schon am 29. Juni 1904 erteilte das Großherzogtum Hessen die Konzession für den Strecketeil von Mömlingen nach Höchst. Sollte der besagte Staatsvertrag mit Bayern nicht zustande kommen so war es jedenfalls möglich dieses Strecketeil auf hessischer Seite zu bauen. Erst fast ein Jahr später kam es zur Unterzeichnung dieses Staatsvertrags. Am 12. April 1905 wurde so der Weg freigemacht für den Bau und den Betrieb der Strecke von Aschaffenburg nach Höchst (Odw.). Die erforderliche Konzession für den Streckenteil Aschaffenburg nach Mömlingen erteilte Bayern erst wiederum ein Jahr später am 12. Juli 1907 im Zusammenhang der Erschließung des Aschaffenburger Hafens mittels einer Hafenbahn. Man begann erst im Jahre 1909 mit dem Bau der Strecke. Man wählte den 1906 eröffneten Haltepunkt Aschaffenburg / Süd als Ausgangspunkt für die Strecke aus und begann 1909 mit den vorberitenden Bauarbeiten. Da dieser Haltepunkt linksmainisch gelegen ist und der erste an der Bahn gelegene Bahnhof Schönbusch - Nilkheim aber rechtsmainisch liegt, musste der Main mittels Brücke überquert werden. Im Bahnhof Schönbusch – Nilkheim sollte dann die geplante Aschaffenburger Hafenbahn abzweigen. Die 270 m lange Mainquerung wurde 1910 fertigestellt. Nach der polizeilichen Abnahmefahrt am 24. April 1911 konnte am 01. Mai 1911 der Verkehr zwischen Aschaffenburg und Großostheim eröffnet werden. Das ergänzende Teilstück war bereits im Bau. Hier mussten tiefe Einschnitte und einige Flussbrücken gebaut werden. Eine Besonderheit der Bauwerke ist die Straßenbrücke über die heutige B 45 in 17m Höhe und der folgende Tunneldurchstich. Die Strecke konnte baulich im Herbst 1912 fertigestellt werden und am 01. Dezember 1912 fuhr endlich der erste durchgehende Zug von Aschaffenburg in den Odenwald nach Höchst.

Nach der Eröffnung waren nur 4 Zugpaare auf der Strecke unterwegs gewesen die zusätzlich zum Personenverkehr auch den Güterverkehr auf der Strecke abwickelten. Im ersten Weltkrieg begann man mit dem Bau des Leiderer Hafens, welcher 1921 durch die Hafenbahn von Schönbusch – Nilkheim erschlossen wurde. Der Güterverkehr nahm in der Folge zu sodaß der Personen- und der Güterverkehr getrennt werden musste. Bis zum zweiten Weltkrieg fuhren 5 Zugpaare täglich auf der gesamten Strecke. Später kam noch ein Verstärkungszug von Mömlingen nach Höchst hinzu. Mit Beginn des zweiten Weltkriegs nahm der Güterverkehr bedingt durch die Munitionsfabrikation im Odenwald sprunghaft zu. Das führte dazu das mehr Güterzüge die Strecke befuhren als Personenzüge. Als dann die Kriegsereignisse auch auf das Reichsgebiet übergriff, kam es zu ersten Einschränkungen im Zugverkehr. Vermehrt wurden Luftangriffe auf die Eisenbahn geflogen. Dies betraf überwiegend die Strecke von Hanau nach Würzburg. So kam es zu Umleitungszügen die über diese Strecke nach Höchst und von dort weiter nach Hanau über Babenhausen geleitet wurden. Jetzt nahmen auch die Luftangriffe auf Aschaffenburg und auf diese Strecke zu. Um den Nachschub zu stören wurde auch der Hafen bombardiert und teilweise zerstört. Anfangs versucht die deutsche Wehrmacht die Brücke über den Main für rückweichende Truppen zu sichern. Nachdem durch ein Luftangriff der Bahnhof Aschaffenburg / Süd zerstört wurde, kam es auch zu Zerstörungen an der nahe liegenden Mainbrücke. Dennoch konnte die Brücke weiter offen gehalten werden. Nach der Kapitulation der deutschen Wehrmacht standen erst einmal aller Räder still. Doch schon Sommer 1945 konnte, nach Beseitigung der gröbsten Kriegsschäden im Bereich Aschaffenburg, wieder regulärer Zugverkehr über diese Strecke abgewickelt werden. Es fuhren jetzt nur 2 Zugpaare täglich zwischen Aschaffenburg und Höchst.

Was vielversprechend nach dem zweiten Weltkrieg begann, endete auch wieder so schnell. Mitte der 1950er Jahre nahm die Motorisiertung stetig zu. Die DB, die 1949 gegründet worden war, versuche durch rationalen Verkehr dem Fahrgastschwund gegen zu steuern. Das hatte nicht viel Erfolg. Schon 1968 wollte man die Strecke im Personenverkehr einstellen. Doch soweit kam es nicht, da die Gemeinden eine dauerend Einstellung davon abhängig machen wenn die Strassenverbindungen mit Aschaffenburg besser ausgebaut werden. So zog die DB den Antrag wieder zurück, verdünnte jedoch gleichzeitig den Fahrplan auf 4 Zugpaare an Werktagen. 1970 nahm die DB eine Fahrgastzählung vor. Man kam zu dem Ergebnis, das sich die Strecke nicht mehr lange rentieren würde. Um die Bevölkerung zu berührigen teilte diese in einer Pressemitteilung mit das sie alles tun würde um den Personenverkehr auf der Strecke zu halten, allerdings nicht ausgelastete Züge durch den Bus ersetzen zu wollen. Die benötigten Invesitionen unterblieben. 1973 beantragte die DB dann die endgültige Einstellung der Strecke. Nach Willen sollte am 30. September 1973 bereits der letzte Personenzug von Aschaffenburg nach Höchst verkehren. Wieder stimmten die Anliegergemeinden dagegen, hatten jedoch kein Glück, denn der Verkehrsminister hatte bereits der Teileinstellung zugestimmt. So verkehrte am 24. Mai 1974 zum letzten Mal ein planmäßig verkehrender Personenzug. Nach Einstellung des Verkehrs begann man mit dem Abbau des Teilstück von Neustadt nach Großostheim da hier kein Güterverkehr mehr stattfand. Nun war die Strecke in zwei Hälften geteilt.

Der Güterverkehr wurde auf beiden Teilstücken mit jeweils einem Übergabezug aufrecht gehalten. Es siedelte sich immer mehr Industrie in Großostheim an. Hier stieg in den Folgejahren auch der Versand der Güter über die Schiene. Auch der Aschaffenburger Hafen wurde hier über diese Strecke mitbedient. Anders sah es auf dem südlichen Abschnitt aus. Hier wurde nur das Reifenwerk in Sandbach bedient und von Zeit zu Zeit verkehrte auch eine Übergabe zum Versenden von landwirtschaftlichen Produkten aus Neustadt. Doch auch dieser Güterverkehr währte nicht ewig. 1989 mußte der Streckenteil von Schönbusch – Nilkheim nach Großostheim überholt werden. Das nahm die DB zum Anlass den hier rückläufigen Güterverkehr einzustellen. Schließlich verkehrte am 28. September 1991 die letzte Übergabe für Großostheim.

Nach Einstellung des Güterverkehrs auf der Strecke kam es durch die Aschaffenburger Stadtverwaltung zur Planung einer Citybahn, die Großostheim mit Aschaffenburg verbinden sollte. Daraufhin bekundete die Kahlgrundbahn Interesse an der Betriebsführung eines solchen Verkehrs. Daraufhin verzögerte die DB den Abbau der Strecke. Später war die DB bereit die Bahnanlagen an die Stadt Aschaffenburg zu verkaufen. Durch den Bahnbetrieb, es sollte alle 20 Minuten ein Zug verkehren, entstandt eine Deckungslücke von 900 000 DM, die die Stadt Aschaffenburg aufbringen musste. Jetzt kam man zu dem Ergebnis das eine Buslinie billiger als eine Eisenbahn sei und gab alle Pläne einer Citybahn wieder auf. Daraufhin baute die DB das letzte Teilstück vom Abzweig der Firma Linde hinter dem Bahnhof Schönbusch-Nilkheim bis Großostheim ab. So verschwand die Strecke auf bayrischer Seite da das Reststück einschließlich der Mainüberquerung von der Aschaffenburger Hafenbahn mit bedient wird.

Im Odenwald verkehrten bis 2006 noch einige Übergabezüge bis zum Pirelliwerk in Neustadt. Hier entstand ein großes Ladeterminal. Einige Übergabezüge bedienten dabei auch den Rest der vorhandenen Strecke bis Sandbach. Nach Einstellung auch dieses Güterverkehrs endete auch auf hessischer Seite der Bahnverkehr auf dieser Strecke. Nach Verkauf der Strecke an die Anliegergemeinden begann man jetzt mit dem Abbau der Strecke bis Sandbach. Die Reststrecke sollte an einen privaten Investor verkauft werden. Dieser Verkauf kam nicht zustande und 2007 wurde dann auf hessischer Seite die letzten Gleisreste von Höchst nach Neustadt entfernt, sodaß heute nur noch der Abschnitt Aschaffenburg / Süd nach Nilkheim besteht.

Höchst-Aschaffenburg

Zu den Bildern - bitte auf die Bahnhöfe / Haltepunkte klicken

Streckenbeschreibung:

Die Strecke beginnt im Bahnhof Aschaffenburg (Süd) und führt etwa 1000 Meter parallel der Mainbahn, bevor sie in Richtung Main abschwenkt. In einer geraden Streckenführung überquert die Strecke den Main mittels einem großen Eisenbahnviadukts. Vor dem Bahnhof Schönbusch / Nilkheim, der in einer langgezogenen Linkskurve liegt, zweigt die Zubringerstrecke zur Hafenbahn Aschaffenburg ab. Die Strecke folgt dann dem Nilkheimer Park bis zum Nilkheimer Industriegebiet. Hier gibt es noch einige Anschlüsse die von der Hafenbahn bedient werden. Ab hier ist die Strecke in Richtung Großostheim abgebaut. Die Strecke führt nun an dem Industriegebiet vorbei und kreuzt die alte Obernburger Strasse, unterfährt später die neuer Schnellstrasse nach Obernburg und querte die nördliche Umgehungsstrassen von Großostheim. Inmitten des Industriegebietes lag dann der Großostheimer Bahnhof. Hier beginnt nun der Radweg. die trasse querte südlich von Großostheim dann die Schaafheimer Strasse und umfuhr den Ort Pflaumheim. Später erhielt auch Pflaumheim einen eigenen Haltepunkt der ausserhalb der eigentlichen Ortes lag. Der Bahnhof Pflaumheim / Wenigenumstadt lag an der Strasse nach Wenigenumstadt etwa auf halber Strecke. Hier entstand eine Gärtnerei auf dem ehemaligen Bahnhofsgelände nach Abriss des Bahnhofsgebäudes. Jetzt schwenkt die Strecke in südlicher Richtung ab und überquerte nördlich vom Mömlingen die von Pflaumheim kommende Landesstrasse. Nach Umfahrung der Ortschaft Mömlingen erreichte der Zug dann den Haltepunkt Mömlingen / Ort. Hier entstand nach Abbau der Gleisanlagen ein Neubaugebiet. Den Verlauf der Strecke sowie den Haltepunkt kann man kaum noch erahnen. Weiter folgte die Strecke in Richtung Süden dem Ort Mömlingen und erreichte nach einer langgezogenen Rechtskurve den Bahnhübergang über die B 426. Hier lag der eigentliche Bahnhof vom Mömlingen. Nun folgt die Strecke der Mömling bis zur Ortschaft Hainstadt. Auch hier gibt es keine Hinweise mehr auf die Strecke. Die Strecke führte nun weiter in Richtung Süden an der Ortschaft Rosenbach vorbei, überquert hier die hessisch - bayrische Landesgrenze und erreichte in einer weit gezogenen Linkskurve und nach einer weiteren Überquerung der B 426 den Bahnhof Neustadt. nun folgt die Strecke weiter der Mömling bis zum Bahnhof Sandbach. Zwischen Neustadt und Sandbach befindet sich ein namhafter Reifenherrsteller, der früher seine Erzeugnisse über die Bahn verschickt hatte, dies war ein Grund warum diese Strecke lange nicht abgebaut wurde. Im Ortsbereich von Sandbach wird die alte B 426 gekreuzt und am Fusse des Breubergs führt die Strecke weiter in Richtung Höchst. Hier wird ein kurzer Tunnel durchfahren ehe die Strecke über das große Höchster Viadukt den Bahnhof Höchst (Odw.) auf Gleis 1 und 2 erreicht.

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